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Camino del Norte Tag 0/1/2 - Jakobsweg-Küstenweg Spanien


2016-08-26 - Freitag - Tag 0 Reisebericht Jakobsweg Küstenweg / Camio del Norte

Letzter Tag im Büro. Irgendwie lässt es mir keine Ruhe. Warum hat das Busticket für die Rückfahrt zwei Seiten und das für die Hinfahrt nur eine? Ich habe es in der Dropbox und so schaue ich es mir (Chef, falls Du das liesst, natürlich in der Pause) noch einmal an. Was ist das denn? Umsteigen? Aber wieso zur ein und derselben Zeit in Santander und zweieinhalb Autostunden weiter? Da stimmt was nicht. Auch die Homepage von Eurolines hilft nicht wirklich weiter. Also Telefon. Wie erwartet Warteschleife. Kurz danach Anrufbeantworter. Der schaltet genau dann ab, als ich meine Rückrufnummer nenne. Nächster Versuch, ich erreiche jemand. Ich erkläre mein Problem, er hat das auch so im Computer und bittet mich in Genf anzurufen, da er auch nicht weiter weiss.

Der Herr aus Genf stellt mich vor die Wahl Französisch oder Englisch. Klar Englisch, sonst wird das nix. Alles OK, meint er, genügend Zeit zum Umsteigen, er nennt mir aber völlig sinnfreie Uhrzeiten.

Nächster Versuch über die Kontakt-Funktion auf der Homepage. Schnelle Antwort, aber wieder Uhrzeiten, die keinen Sinn ergeben. Ich antworte auf die Mail und jetzt ruft der Herr von heute Morgen zurück. Er habe die Richtung verwechselt. Ich komme um 1:00 nachts an und fahre um 9:00 weiter nach Basel. Die Umsteigstelle habe ich mir schon mit Streetview angeschaut. Nicht sehr vertrauenserweckend. Ein grosser LKW-Parkplatz mit einem Hotel nebenan. Naja, bei den Truckern lebt es sich ja anscheinend sicher und vielleicht kann man ja im Hotel in der Bar noch etwas ausspannen? Und irgendwie machen die Zeiten immer noch kein Sinn. Wenn ich um 9 Uhr noch in Spanien bin, wird es knapp mit Basel. Aber ich lasse mir davon nicht die Laune verderben. Ich bin noch nie zu spät aus dem Urlaub zurückgekommen und es gibt für alles ein erstes Mal ;-)

2016-08-27 - Samstag - Tag 1 - Bin ich hier richtig?

Wieder mal der fast schon übliche Anfall von Reisefieber und ich falle viel zu früh aus dem Bett. Ich nehme einen Zug früher, beim anderen müsste ich umsteigen und ausserdem noch recht knapp. Wäre irgendwie blöd schon in der Schweiz an der Weiterfahrt zu scheitern.

Den Busbahnhof am Bahnhof Basel SBB finde ich gleich. Viele Fahrgäste sind versammelt, die meisten stürzen sich aber auf die Eurobusse, eine Schweizer Linie. Ich unterhalte mich kurz mit einer Schweizerin, die eine Nordsee-Rundreise macht. Klingt für mich etwas bieder und eigentlich sieht sie dazu noch zu jung aus. Ob ich auch genügend zu trinken dabei hätte? Wie nett, man sorgt sich um mich. Der COOP ist ja direkt um die Ecke. Eigentlich habe ich viel dabei und ausserdem kann man ja im Bus nachkaufen. Kann man wirklich? Bis jetzt habe ich nur Erfahrung mit dem deutschen Postbus als Fernreisebus. Da ich noch so viel Zeit habe, gehe Ich doch noch Nachschub holen.

Als endlich der erste Euroline-Bus einfährt, meint der Fahrer nur "Other Bus". Der nächste scheint zu passen. Die Fahrer können zwar nur Spanisch und Französisch, aber als ich Ihnen mein Ticket unter die Nase halte und Irun frage, winken Sie mich unter heftigem Nicken in den Bus.

Erstaunt bin ich, als dieser fast eine halbe Stunde vor der geplanten Abfahrtszeit losdüst. Bin ich im falschen Bus? Naja, wenn schon, schau ich halt, wo ich rauskomme oder rausgeworfen werde. Ausser der Rückfahrt habe ich nichts gebucht. Und die war nicht allzu teuer, es wäre also nicht allzu schlimm, wenn ich anderweitig heimfahren müsste.

Dank der kleinen Helferlein im Smartphone sieht es aber so aus, als würde schon mal die Richtung stimmen. So what?

Als ich diese Zeilen aufschreibe, weiss ich immer noch nicht, ob ich richtig bin. Immerhin hält der Bus gelegentlich und nimmt weitere Personen auf. Sitze und Ausstattung sind sehr hochwertig, wenngleich alles etwas ungepflegt wirkt.

Als ich mal für kleine Jungs will, ist die Toilette abgesperrt. Ich wende mich an den Copiloten. Der schmeisst mir ein paar spanische Sätze an den Kopf. Als ich nur mit den Schultern zücke drückt er mir den Schlüssel für die Boardkabine in die Hand.

Wenig später: Offizielle Pipipause. Das wollte er mir also sagen. Gibt es jetzt also alle drei Stunden eine? Darauf kann man sich einstellen. Getränke gibt es im Bus übrigens nicht zu kaufen.

Der Herr, der inzwischen zwei Sitze neben mir sitzt, macht mir immer Handzeichen, wieviel Minuten die Pause ist. Noch einer, der sich um mich sorgt. Ich bedanke mich immer ganz artig, obwohl ich zumindest die französische Ansage des Busfahrers ganz gut verstehe.

Mein Sitznachbar ist wohl auch Spanier, arbeitet aber in Frankreich und besucht Verwandschaft (vorrausgesetzt ich habe alles richtig verstanden).

Um mich herum sind anscheinend alles geübte Busschläfer. Mir will das nicht gelingen. Nur mit Mühe finde ich eine halbwegs geeignete Position, obwohl mir zwei Sitze zur Verfügung stehen.

Immerhin gelingen mir ein paar Nickerchen von fünfzehn bis zwanzig Minuten.

2016-08-28 - Sonntag - Tag 2 - Irun - Hondarribia

Die Route führt uns zunächst nach Südfrankreich und von dort an den Atlantik. Stationen sind z.B. Lyon, Montpellier, Tolouse. Bei den nächtlichen Stopps treffen wir immer wieder andere Bus-Fernreisende. Auf einem Parkplatz sehe ich im Halbdunkel am naheliegenden Wäldchen mehrere grosse Kartons herumstehen. Was ist denn das für eine komische Müllhalde? Auf einmal geht eine Taschenlampe an und es kommt jemand aus einem Karton herausgekrabbelt. Im Licht sehe ich, dass gegen Regen nur vereinzelt noch ein paar Schirme rumstehen. Da geht es mir mit meinem gern belächelten Einmannzelt doch wirklich gut. Ich will nicht als Störenfried auftreten und mache mich schnell vom Acker.

Eine Stunde zu früh kommen wir in Irun an. Es geht mir besser wie befürchtet. Ich bin zwar hundemüde, aber Rücken oder andere Schmerzen halten sich in Grenzen. Die Sitze waren ziemlich gut im Bus.

Es ist merkwürdig mitten in der Nacht in einer fremden Stadt. Speziell am Bahnhof. Mehrere Gestalten treiben sich hier rum, ohne dass man den wirklichen Zweck ihres "Treibens" erkennt.

Ich lasse mich per Handy-App Richtung Campingplatz weglotzen. Glaube ich. Stimmt aber nicht. Irgendwie findet das Handy die Satelitten nicht und lotst mich in die komplett falsche Richtung. Anhand eines Wasser-Kanals kann ich mich orientieren. Irgendwann ist das Handy auch einverstanden und es geht in die richtige Richtung.

In Irun ist noch gut was los, das sind aber alles Partypeople, die weit weniger beunruhigend wirken als das Bahnhofsvolk.

Gegen sechs komme ich am Campingplatz an. Draussen stehen noch Tische und Stühle von der Campingkneipe. Ich schnappe mir einen und mache es mir einigermassen bequem. Obwohl ich sehr leise bin, steht gleich ein Security-Mann vor mir und hält mir die Taschenlampe vor mein Gesicht. Oh weia! Der kann nur spanisch. Ich mache ihm mit Händen und Füssen klar, dass ich um vier mit dem Bus angekommen bin und einen Campingplatz nehme, sobald der Platz öffnet. Und natürlich werde ich ganz still sein.

Glück gehabt, ich sehe wohl vertrauenswürdig genug aus und er lässt mich sitzen. Wenn ich nur schlafen könnte. Aber der Stuhl ist so unbequem. Mit dem Kopf auf meinem aufblasbaren Kissen und dieses auf der Tischplatte schlafe ich dann wohl doch irgendwann ein. Irgendwann schrecke ich hoch und habe das Gefühl es wäre innerhalb Sekunden hell geworden.

Erst einmal kann ich aber meine Arme nicht mehr bewegen. Eingeschlafen. Als endlich wieder schmerzhaft Blut in die Adern schiesst, sehe ich, dass ich so eineinhalb Stunden geschlafen habe. Leider sieht das Wetter gar nicht gut aus. Es ist zwar immer noch warm, aber der Himmel ist mit grauen Wolken bedeckt.

Wenig später kommen die ersten Angestellten. Eine Dame öffnet die Rezeption, obwohl es noch vor acht Uhr ist. Oh wie nett. Wenn ich leise bin, kann ich auch schon mal meinen Platz beziehen.

Die Plätze hier auf dem Camping Jaizkibel (so heisst auch der Berg hier, zu dem ich morgen hochmuss), sind extrem winzig. Mein Zelt passt gerade so. Egal. Ich baue schnell auf und lege mich nochmal aufs Ohr. Im Einschlafen höre ich noch, wie es anfängt zu regnen. Im Moment ist es mir einfach nur egal.

Um Halbelf wache ich auf. Es regnet immer noch. So ein Mist! Ich stehe auf und dusche.

Mein Zelt ist leider nicht (mehr) wirklich für Regen geeignet. Gerade der Eingangsbereich ist schlecht geschützt. Mit Spannern, zusätzlichen Heringen und meinem Regenponcho bastele ich ein Vorzelt, was aber erst nach einigen Versuchen stabil funktioniert.

Ich verdrücke mich in die Campingkneipe. Eigentlich sollte man ja schon mal die Gegend erkunden, aber als ich mich endlich aufraffe, regnet es noch heftiger. Also wieder zurück. Spätes Frühstück geht direkt in Mittagessen über.

Tatsächlich hört der Regen dann doch irgendwann auf ich mache mich auf den Weg nach Hondarribia. Der Campingplatz gehört nicht mehr zu Irun, sondern zur Nachbarstadt.

Hondarribia hat eine sehenswerte Altstadt und eine schöne Strandpromenade. Ich lasse mich etwas treiben und geniesse es, ohne schweren Rucksack unterwegs zu sein.

Zurück auf dem Zeltplatz hänge ich erst mal alles, was feucht geworden ist, raus. Etwas Wasser habe ich leider auch im Zelt. Ich hatte es vorletztes Jahr gekauft und dieses Jahr im Frühjahr haben sich im ganzen Zelt die Plastikschweissnähte hinter den Nähten gelöst. Hätte man eigentlich reklamieren sollen. Das Zelt weiss also nicht ganz zu überzeugen. Aber es ist mit 1.6 kg ziemlich leicht.

Blöd, dass es morgen wieder regnen soll. Wenn der Wetterbericht Recht hat, heisst es sogar Zelt im Regen abbauen, was mich bei der Zeltgrösse vor logistische Probleme stellt. Den Schlafsack kann ich vielleicht noch im Zelt in den Rucksack stopfen. Aber die Isomatte muss ich ausserhalb des Zeltes entleeren und zusammen falten. Man wird sehen. Notfalls gibt es eben ein einfaches Hotel zum Trocknen.

Ich war schon zweimal Essen, daher gibt es zum Abendessen einfach Brot mit Salami. Noch weiss ich nicht, dass das mein Standard-Vesper auf dem Camino sein wird.

Am ersten Tag immerhin fasst 7 Kilometer vom Bahnhof zum Campingplatz

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Letzte Änderung: 04.12.2016
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