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Reise nach Schottland - Tag 1 - 18.08.08


Schottland Reisebericht Tag 2

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Vom Reisefieber gepackt
Ich schlafe nur relativ schlecht ein und wache bereits um 2:31 wieder auf. Ob es am Reisefieber liegt?  Ich wälze und drehte mich bis der Wecker endlich klingelt. Und das ist schon extrem früh, weil bei einem Kunden der Internet-Zugang ausgestiegen ist. Ich mache mich schnell fertig und kann das Kundenproblem auch sofort lösen, schaffe es jedoch nicht noch mal ein Nickerchen zu machen.

Geht ja gut los
Viel zu früh bin ich am Bahnhof. Die Zugfahrt nach Basel verläuft reibungslos und ich finde sofort den Bus zum Euro-Airport. Zwei Jugendliche nerven: Der eine muss dem anderen vorführen, wie toll sein neues Handy ist: RAP-Musik über die internen Boxen. Was finden Leute toll daran, Musik wie in der Anfangszeiten des Röhrenradios zu hören? Leute, das ist nicht cool, es nervt einfach nur. Kauft euch gute Kopfhörer und nervt nicht eure Mitmenschen.

Ja auch ich bin nicht frei von Aggressionen, so male ich mir aus, wie es wohl knirschen mag, wenn ich mit dem Absatz meiner Wanderstiefel auf das Handy trete. Apropos Wanderstiefel: Ich musste drei Mal umpacken. Zuerst war ich bei fast 30 Kilo Gewicht. Danach bei 25 und nur mit Mühe schaffte ich die 20.
Die 20 sind nur möglich, indem ich meine leichten Halbschuhe einpacke und die Wanderschuhe anziehe. Ersparnis fast 2 kg. Schön blöd, den ganzen Tag mit Wanderstiefel rumzulaufen auf dem Flughafen. Dort angekommen sehe ich jedoch dass ich nicht der einzige bin, der die Idee bzw. das Problem hatte. Zurück zu den kleinen Bengels: Nachdem sie nun die maximale Lautstärke von der Blechbüchse testen, drehen sie sich doch etwas schuldbewusst um. Ich gebe mir alle Mühe meinen finstersten Blick aufzusetzen und tatsächlich, das Handy wird auf verträgliche Lautstärke gestellt. Na also, geht doch.

Lange habe ich meine Ruhe jedoch nicht. Am Flughafen setze ich mich auf die Wartebank. Da ich zum ersten Mal im Euroairport bin, habe ich massenhaft Zeit einkalkuliert und bin viel zu früh dran. Ab Bahnhof SBB fährt der Shuttle-Bus im 10-Minuten Takt. Eigentlich bin ich auch noch früher gekommen um das ganze Treiben auch ein Weilchen beobachten zu können. Nach zuletzt Frankfurt habe ich Basel jedoch massiv überschätzt. Das ganze ist doch sehr überschaubar und die Wartebereiche vor dem Einchecken haben ungefähr den gleichen Charme wie die S-Bahnen in Frankfurt. Die Polster sind aufgeschlitzt und verkrümelt, es sind ausserdem viel zu wenig Sitzplätze vorhanden. Ausserdem hätte es gereicht, pünktlich zum Einchecken zu kommen. Hat man beim Buchen von easyjet nicht „Speedy Boarding“ mitgebucht, kann man, vorausgesetzt man checkt möglichst schnell ein, in die Gruppe A kommen und hat so auch noch "fast" freie Platzwahl. Das Einsteigen stellt sich dann doch noch etwas als Problem dar, da der Flieger eine grosse Verspätung hat.

Ich sitze also eine ganze Weile herum, als mich eine Mutter auffordert, doch mal einen Platz zu rutschen damit sie und ihre Kleine Platz hat. Mach ich doch gerne, nur mal kurz den Nachbarplatz von den Krümeln befreien und schon zieh ich um. Die beiden springen fortan im Minutenrhythmus auf, verschwinden wieder. Meine Gebete werden nicht erhöht, niemand schnappt sich bei einer Abwesenheit den Platz.

So, jetzt haben sie wohl Vesper eingekauft und scheinen sich länger niederzulassen. Der armen Kleinen ist langweilig, also fängt sie an, an meinem Rucksack rumzuspielen. Mami sagt auch nichts als ich den Rucksack demonstrativ aus der Reichweite der kleinen Ziehe. Hallo? Erziehung? Mann nimmt ja gerne Rücksicht auf die Kinder, aber ist nicht auch ein Mindestmass an Rücksicht gegenüber anderen angebracht? Da die Kleine jetzt auch noch mit einer Limo in die Hand auf mein Gepäck zusteuert suche ich entnervt das Weite. Ich habe keine Lust mein Gepäck noch mit Klibberwasser versaut zu bekommen. Also warte ich woanders auf den Aufruf zum Checkin. Dieser kommt pünktlich. Ich stürze mich auf den Schalter, eine grössere Familie vor mir ist aber ein Tick schneller. So schaffe ich es als fünfter und mache mich gleich noch auf den Weg in den Security-Bereich. Die Passkontrolle schaffe ich ohne Problemn, jedoch bleibt das Handgepäck gleich mal in der Durchleuchtungsgerät stecken und zwei Security-Assistentinnen schauen sich das verdächtige Stück zusammen vor dem Bildschirm an. Bei mir selbst piepst es auch, schuld ist die Gürtelschnalle. Ich werde höflich gefragt ob ich was dagegen hätte, wenn sie mal in mein Handgepäck sehen. Die Gegenfrage, was sie machen wenn ich nein sage verkneife ich mir sondern stimme als anständiger Bürger natürlich zu. Sie hat gleich den richtigen Riecher und fragt mich ob ich einen Fingernagelknipser dabei habe. Zunächst auf Französisch, womit sie bei mir recht wenig Erfolg hat. Mit der Kollegin zusammen auf Deutsch und Englisch kapier ich es dann auch. Fingernagelknipser, oh je ja, der ist mir ganz am Schluss noch daheim aufgefallen und ich hab ihn ohne nachzudenken einfach irgendwo reingeschmissen, nur wo? Also alle Taschen auf. In der letzten finde ich ihn dann.

So, jetzt kann ich die Security hinter mir lassen. Ich habe schon wieder Hunger und Durst, nur hier gibt’s nur Alkohol und Schoki. Für den Hunger kauf ich mir eine 100g Tafel mit dem Effekt, dass der Durst nur noch grösser wird. Mist, bei den Gates hätte es was Vernünftiges gegeben. Ich gönne mir dann doch noch ein Sandwich und was Kaltes zu trinken.

Auch hier Kindergebrüll ohne Ende. Ich bin allerdings selbst schuld, habe mich direkt im Kinderbereich an die Rutsche gesetzt. Also suche mir den weit entferntesten Platz um zu lesen. Blöderweise verfolgt mich eine englische Familie, deren Kleinster auch als Sirene durchgehen könnte. Wie kann so ein kleiner Kerl so lange schreien ohne müde zu werden?

Zu dem Zeitpunkt weiss ich noch nicht, dass der Flieger über eine Stunde Verspätung hat. Ich mache mich also kurz auf ans Gate und darf gleich wieder kehrt machen. Als das Gate endlich öffnet, wer verfolgt mich nun? Richtig, die kleine Sirene. Er schafft es tatsächlich das komplette Checkin und die erste Hälfte des Fluges zu brüllen, dann wird er bis kurz vor der Landung müde.

Von der für mein Englisch viel zu schnell gesprochene Ansage der Kabinencrew verstehe ich praktisch kein Wort. Es wird auch noch auf Französisch runtergeleiert, was mir auch nicht wirklich weiterhilft. Wenigstens werde ich durch den Fensterplatz entschädigt. Kurz nach dem Start kommen wir leider in eine dichte Wolkendecke, so dass es schon schnell nichts mehr zu sehen gibt – leider auch nicht den Kanal. Irgendwann kurz vor der Landung reisst die Wolkendecke tatsächlich mal auf – tatsächlich die fahren wirklich links da unten. Die Landung wird sehr holprig, vielleicht weil wir in schlechteres Wetter fliegen? Keiner klatscht mehr bei der Landung? Ist das nicht mehr üblich? Bin lange nicht mehr geflogen.

Den nächsten Stopp habe ich bei der Passkontrolle. Alle Pässe werden gescannt. Plakate verraten, dass im Jahr 2007 70000 suspekte Personen des Landes verwiesen wurden - na das nenne ich einen herzlichen Empfang. Irgendwas klappt wohl mit dem Scanner nicht, der Officer versucht es immer wieder und starrt auf seinen Bildschirm. Oder hat er jetzt ein Problem, dass ich nicht mehr in Deutschland wohne? Nein wohl doch nicht, mit einem "Thank you" bekomme ich den Pass schliesslich wieder. Übrigens, die kleine Sirene ist vor der Passkontrolle wieder aufgewacht. Die nächste und vorerst letzte Schlange treffe ich vor dem Bankautomaten. Aber ohne Bargeld geht es halt leider nicht.

Die Unterkunft in Liverpool habe ich als einzigstes vorab gebucht. Ich rufe zur Sicherheit in dort an, dass ich später komme. Der Manager gibt mir nochmals die Buslinie an. Draussen auf der Strasse vor dem Airport sehe ich auch gleich den richtigen Bus, nur parkt dieser auf der falschen Strassenseite. Ich frage den sehr freundlichen Fahrer. Dieser erklärt mir dass noch ein anderer Bus vorher kommt. Der benannte Bus bzw. sein Fahrer will mich  dann doch nicht mitnehmen, da er die 80 und nicht die 86A ist. Dessen Fahrer wundert sich wiederum, erklärt sich aber sofort bereit mir Bescheid zu geben, wenn ich aussteigen muss. Überhaupt sind alle super freundlich, bei den Busfahrern habe ich allerdings den Eindruck, dass die nur stur ihre Linie kennen und nichts darüber hinaus. Der Fahrer meines 86A "schmeisst" mich viel zu früh raus, so dass ich mit meinen 20 kg noch ca. 2 km laufen muss. Wenigstens finde ich mich gut zurecht, ich hatte die Koordinaten meines Bed & Breakfast via Google Maps herausgesucht und auf mein Garmin-GPS gespeichert. Der Liverpooler Dialekt ist recht schwer, ich habe viel Mühe die Leute zu verstehen (und wahrscheinlich auch umgekehrt). Es wird sehr schnell gesprochen und ich muss häufig nachfragen.

Als ich klingele kommt aus dem Nachbarhaus Lian, wahrscheinlich der Manager. Auch er spricht sehr schnell ist aber wie alle bisher sehr freundlich. Er zeigt mir mein sehr kleines aber feines Zimmer. Das Waschbecken ist kleiner als meine ausgestreckten Hände. Aber kein Problem. Schön ist, das Wasser ist Trinkwasser und es gibt ein Wasserkocher samt Tee auf dem Zimmer (dies stellte sich später als Standard in allen Bed & Breakfast heraus).

Von Lian lasse ich mir ein Pub empfehlen, das ich nach dem Duschen aufsuche. Das Beizli stellt sich als uriges Pub heraus, so wie man sich ein englisches Pub vorstellt und hat sehr viele verschiedene Biersorten parat. Ich fange mit einem Pint Guiness an. Es wird grundsätzlich immer gleich bezahlt, das hilft das Budget unter Kontrolle zu halten. Die Preise sind für deutsche bzw. schweizer Verhältnisse bezahlbar. Eigentlich wollte ich noch gerne etwas zu essen, jedoch hat die Küche bereits geschlossen, wofür sich der Barkeeper tausendmal entschuldigt. Auch hier bestätigt sich die "britische" Höflichkeit. Ein "Excuse Me" oder "I'm Sorry" wird so gut wie nie vergessen. Das Pub ist nicht allzu voll, daher entwickelt sich auch ein Gespräch mit dem Barkeeper. Ich habe jedoch auch hier wieder grosse Mühe, besonders wegen der relativ lauten Hintergrundmusik. Der Barkeeper ist selber aus dem Lake-District, den ich in den nächsten Tagen ja besuchen werde, empfiehlt mir aber Schottland mehr. Da ich nicht Bescheid weiss über das Verhältnis England - Schottland, bzw. Engländer - Schotten und nicht gleich in ein Fettnäpfchen treten will, erzähle ich ihm zunächst nicht, dass ich auch Schottland bereits fest im Programm habe.

Nach der Probe von drei verschiedenen Biersorten entscheide ich mich für ein Halfpint Beamish Brew. Die Proben gibt es übrigens gratis in extra Probengläsern. Da der Tag sehr lang war ziehe ich mich bald in meine Unterkunft zurück. Beim Überqueren der Strasse werde ich fast überfahren, da ich wie gewohnt hauptsächlich nach Links schaue, bevor ich die Strasse überquere. Das ist mir erst mal eine Lehre und ich versorge mich dann noch schnell im 24 h Supermarket mit ein paar Süssigkeiten. Es ist jetzt bedeutend kühler geworden. Nachdem ich noch ein paar Notizen zum Tag gemacht habe lege ich mich hin. Die Gegend ist sehr ruhig, nachts fahren fast keine Autos und ich schlafe recht gut (allerdings mit Ohrstöpseln, da doch etwas Strassenlärm von der Strasse hereindringt).

Schottland Reisebericht Tag 2



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Schottland 2008 - Tag 1 - schlageter.ch - Reise nach Schottland / Nordengland Tag 1: Nervige Teens, nervige Kinder und schliesslich doch noch angekommen
Letzte Änderung: 10.11.2014
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