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Reisebericht Kanada / Alaska Tag 11-14


Kenai Peninsula

Dienstag, 08.09.2015 - Tag 11

Ich starte gemütlich nach dem Frühstück Richtung Anchorage. Anchorage hat ungefähr 380 000 Einwohner und hier leben die Hälfte aller Alaskaner. So richtig Lust habe ich aber nicht auf Grossstadt und fülle daher bereit einige Kilometer vorher in Eagle River meine Vorräte auf. Direkt vor Anchorage drohnt ein riesiger Bass Pro Shop regelrecht in einem Einkaufsgebiet. Bass Pro ist eine Kette, die alles für Jäger, Fischer, Outdoor-Freaks, etc. verkauft. Ich bin neugierig und biege ab. Tatsächlich gibt es dort viele tolle Sachen. Das meiste ist für unsere Verhältnisse günstig zu haben. Ich nehme einen Kaputzenpulli und eine gefütterte Regenjacke mit.

Der ganze Jägerkram wirkt auf mich aber schon etwas seltsam. Wenn einer womöglich tagelang mit der Knarre durch den Wald stapft und dann durch einen Schuss sein Wild erlegt, so kann ich das noch akzeptieren und nachvollziehen. Hier in Alaska gibt es wohl immer noch viele Familien, die durchaus darauf angewiesen sind, vor dem Winter einen Elch zu schiessen. Nicht nachvollziehen kann ich, dass Schnappfallen in allen Grössen herumliegen, wie bei uns im Baumarkt die Schrauben. Wild stunden- oder gar tagelang schwerverletzt mit gebrochenem Fussknöchel leiden zu lassen, scheint mir nicht die richtige Jagdart.

Kurz hinter Anchorage verweist ein Schild auf ein Erholungsgebiet. Ich biege ab und mach mich auf eine kurze Tour. Ein kleiner Rundweg führt um einen See herum.

Kurz hinter Anchorage

Kurz hinter Anchorage

Anschliessend fahre ich weiter auf die Kenai Peninsula. Im Norden der Halbinsel liegt der Gebirgszug Chugach Mountains. Im Westen die Bucht Cook Inlet, die die Halbinsel vom Festland trennt. Im Osten sind die Kenai Mountains. Sehr viele Gletscher sind hier noch zu sehen. Eigentlich wollte ich erst Richtung Homer und morgen zu den Russian Lakes wandern, doch das Wetter ist schlecht und soll es auch bleiben. Ich entscheide mich daher, erst einmal Richtung Seward abzubiegen. Hier bietet sich für morgen bei Regen das Alaska Sealife Center an.

Richtung Kenai Peninsula - vor Porage

Kurz hinter Anchorage

Die Strasse führt durch eine herrliche Landschaft, nur das schlechte Wetter sorgt dafür, dass sich meine Foto-Stopps in Grenzen halten.

Irgendwo in der Nähe des Moose Pass übernachte ich auf dem Ptargmagin Creek Campground, einem staatlichen Campingplatz. Wie üblich mit Plumpsklo als einzige Infrastruktur. Eine Überraschung bietet sich mir hier aber dann dort mit dem Salmon View: Tatsächlich schwimmen in dem Bach jede Menge Lachse den Fluss hinauf. Allerdings ohne zu springen. Es ist schon spät und zu dunkel, um zu fotografieren. Irgendwie bin ich aber auch froh, dass Bärenspray mit auf den Klogang genommen zu haben, schliesslich ist Lachs eine Leibspeise der Bären. Mal sehen, bzw. hören, ob heute nacht einer anklopft :-)

Mittwoch, 09.09.2015 - Tag 12

Heute Nacht hat kein Bär angeklopft. Nach dem Frühstück sehe ich nach den Lachsen. Das hier ist die Sorte, die bis auf den Kopf rot ist. In Schottland hatte ich eine andere Sorte schon mal springen sehen. Die hier lassen es langsamer angehen. Zentimeter für Zentimeter schieben sie sich vorwärts. Manchmal gibt es auch eine Streiterei. Dann landen beide Kontrahenten hinter ihrer ursprünglichen Position. Obwohl ich länger beobachte, springt keiner. Anscheinend warten Sie aber nur, bis ich weg bin, denn einige schwimmen auch flussaufwärts und die müssen da ja irgendwie hingekommen sein.

Lachse im Ptargmagin Creek

Lachse im Ptargmagin Creek

Vom Campingplatz aus geht ein Weg zum Ptarmigan Lake. Da es nicht regnet, beschliesse ich spontan, auf diesem zu wandern. Am Anfang ist ein Buch, in dem man sich eintragen kann mit Anzahl der Personen und ungefährem Ziel. Das wird auch genutzt. Ich trage mich ebenfalls ein, zusammen mit dem Bärenspray führt das bei mir zu einem sehr sicheren Gefühl.

Der Weg führt anfangs herrlich entlang des Flusses. Weiter oben werden die Lachse dann immer weniger.

Ptargmagin Creek Trail

Ptargmagin Creek Trail

Die Sonne schafft es jedoch nicht. Der Weg zweigt schliesslich vom Fluss ab und führt an einem Berghang entlang. Er wird zunehmend immer schlechter. Von hüfthoch wird das Gras rechts und links des Pfades irgendwann fast mannshoch und ich bin auch ohne Regen ziemlich nass.

Ich überlege umzudrehen, kämpfe mich jedoch weiter. Und werde belohnt: Der Ptarmigan Lake ist ein herrlicher Bergsee. Auf einem der Berge ist ein kleiner Gletscher zu sehen. Ich erkunde erstmal das Ufer und mache eine längere Rast.

Ptargmagin Lake

Ptargmagin Lake

Ganz allein bin ich hier oben und geniesse die Ruhe und Abgeschiedenheit bei meinem ausgiebigen Picknick.

Schliesslich ist es Zeit umzukehren. Aus gelegentlichem Niesel wird zwischendurch leichter Regen. Naja. Eigentlich habe ich die richtigen Klamotten dabei, also trübt es die Laune nicht sonderlich. Nur den Foto habe ich inzwischen regensicher weggepackt. Am Berghang entlang frage ich mich doch mal kurz, was ich mache, wenn mir ein Bär den Weg versperrt. Ausweichen könnte ich an manchen Stellen nicht. In Italien hatte ich mal mit einem Stier so eine Situation. Ich habe aber einen zweiten Satz Klamotten, eine Stirnlampe und einen als Plane verwendbaren Regenponcho dabei und könnte sogar ein Notbiwak aufschlagen. Aber es kommt kein Bär. Die ganzen Warnschilder kommen mir zunehmend etwas übertrieben vor.

Als ich zurück bin, ist es schon halb fünf. Viele Klamotten sind dreckig, also wäre als nächstes ein Campingplatz mit Waschmaschine und Trockner nicht schlecht. Ich mache mich auf den Weg Richtung Seeward. Der erste Platz, den ich anlaufe, sieht recht merkwürdig aus. Verlassen und viel altes Gerümpel. Also fahre ich weiter. Dort hat es zwar Plätze, aber alle städtisch bwz. staatlich. Auch mein Abwassertank ist voll, ich sollte also nicht nur wegen der Wäsche einen privaten haben. Zum ersten Mal brauche ich meinen Campingplatzführer und werde nördlich von Seward am Stoney Creek fündig.

Dort hat es nur eine Handvoll Besucher und ich kann problemlos meine Wäsche machen. Laut Schildern treiben sich auch hier Bären rum, aber auch hier lässt sich keiner blicken.

Donnerstag, 10.09.2015 - Tag 13

Als ich aufstehe, hat der Regen aufgehört. Sogar die Sonne kommt mal wieder kurz durch. Jetzt heisst es Abwassertank leeren und frisches Wasser nachfüllen. Ich will heute Abend ja gerne auf den Campingplatz in Seward am Meer. Doch als erstes kommt der Exit-Gletscher an die Reihe. Auf dem Weg dorthin fängt es leider richtig an zu schütten. Als ich auf dem Parkplatz bin, lässt es zwar wieder etwas nach, aber so richtig toll ist das nicht. Ich beschliesse die Spiegelreflex gleich da zu lassen und nur mit der kleinen Kamera loszuziehen. Der 1.6 Meilen lange Weg vom Parkplatz zum Rand des Gletschers ist schön angelegt. Es gäbe auch noch einen 8 Meilen Rundweg, den ich mir aber schenke. Ich bin zwar gut eingepackt, aber der Regen senkt den Spassfaktor dann doch etwas. Bei etwas besserem Wetter ist das sicher ein Spitzen-Ausflug und dann lohnt auch die grosse Runde. Schilder mit Jahreszahlen zeigen sehr eindrucksvoll den Rückgang des Gletschers an.

Exit Gletscher
Exit Gletscher

Exit Gletscher

Relativ früh mache ich mich auf zum Campingplatz. Dann wird er endlich wahr, der Traum vom kleinen Häuschen am Meer. Auch wenn erstmal nur für einen Tag. Bei Tee und Keksen beobachte ich den Regen draussen und lese. Da stört auch das Gewitter nicht, was durchzieht.

Seward - Camping am Meer

Exit Gletscher

Gegen Abend kommt auch noch ein Otter in munterem Rückenkraul vor dem Fenster vorbeigeschwommen. Zwar ist es schon zu dunkel für richtig gute Fotos, aber ich kann ihn durch das Tele noch ganz gut beobachten. Kurz danach lässt sich auch noch eine Robbe kurz blicken.

Beobachtungen in Seward
Beobachtungen in Seward

Seward

Freitag, 11.09.2015 - Tag 14

Der Regen hat nachgelassen, aber es nieselt immer noch. Ich packe zusammen. Vor der Abfahrt gehe ich noch runter ans Meer und beobachte die Fischer, die hier leichtes Spiel haben. Hier wimmelt es nur so von Lachsen. Und zwar von den ganz grossen.

Lachsfischer in Seward

Lachsfischer in Seward

Weiter draussen treibt ein Otter bewegungslos auf dem Meer. Ist es der gleiche wie gestern abend?

Otter in Seward

Otter in Seward

Ich überlege schon, ob der womöglich tot ist, dann wackelt er mit einem Fuss und schaut schliesslich kurz nach dem Rechten, um dann weiter zu schlafen.

Otter in Seward

Otter in Seward

Raben fressen sich den Bauch mit Vogelbeeren voll. Es ist hier eine recht kleine Sorte, unterwegs habe ich welche gesehen, die fast doppelt so gross waren.

Ein Schild mit der Tsnuami-Evakuierungs-Route erinnert mich daran, dass ich mich hier durchaus in einem potentiellen Erdbebengebiet befinde. Am Karfreitag 1964 wurde Anchorage durch ein Erbeben fast zerstört und viele Menschen starben aufgrund der durch das Beben verursachten Tsnunamis.

Jetzt geht es auf nach Homer, also auf die andere Seite der Halbinsel. Unterwegs schüttet es erst wieder richtig und dann kommt tatsächlich die Sonne heraus.

Richtung Homer

Richtung Homer

Kurz vor fünf komme ich auf dem langgezogenen Landteil an, auf dem die Touri-Buden von Homer liegen. Es ist zwar wieder etwas bewölkt, aber die Licht-Stimmung ist toll. Am Strand mache ich noch viele Fotos. Die obligatorischen Möwen-Bilder dürfen auch nicht fehlen.

Homer
Homer

Homer

Der Campingplatzbesitzer ist gar nicht mehr regelmässig da, sondern sammelt nur noch abends eine vergünstigte - Gebühr ein. Die Toiletten sind auch schon zu. Das ist etwas blöde, denn nun muss ich schon zum zweiten Mal mit meinem Bad an Board vorlieb nehmen. Das geht zwar, ist aber doch ziemlich eng.

Endlich kann ich beim Abendessen mal wieder draussen bei einem schönen Sonnenuntergang geniessen.

Homer

Homer



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Letzte Änderung: 08.04.2016
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