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Reisebericht Kanada / Alaska Tag 08-10


Denali Nationalpark und weiter über den Hatcher-Pass

Samstag, 05.09.2015 - Tag 8 - Auf den Spuren von Christopher McCandless

Endlich habe ich mal ausgeschlafen. Vielleicht lag es am Wein, aber es ist schon relativ spät, als ich aufstehe. Trotzdem lasse ich mir Zeit, ich bin schliesslich in den Ferien. Ausserdem nutze ich es, dass es so schön leer auf dem Campingplatz in Nenana ist, und laufe die Dumpstation an. Man merkt, dass wir hier noch weiter vom Nationalpark entfernt sind. Obwohl der Platz hier alles hat, was man braucht, zahle ich ohne Anschlüsse nur 15 Dollar.

Auf der Dump-Station lässt man seine Abwasser-Tanks ab. Das Greywater, das ist das Wasser aus Bad und Küche, ist laut Anzeige nur zu einem Drittel gefüllt. Für das Blackwater, dem Abwasser aus der Toilette, wird sogar noch "Empty" angezeigt. Aber eine Woche ist rum, da kann man schon einmal testen, wie das so funktioniert. Es geht einfach und ist auch keine Dreckerei. Blackwater lässt man sinnvollerweise zuerst ab und spült so mit dem Greywater nach. Allerdings benutzte ich die Boardtoilette bis jetzt nur für das "kleine Geschäft." In den Toilettentank kommt ein Mittel, was ein bisschen wie die blauen Steine aussieht, die man bei uns in den Spülkasten macht. Es sorgt dafür, dass auch Toilettenpapier und grosses Geschäft verflüssigt werden und für guten Duft.

Ich schaue mich noch ein bisschen in Nenana um. Es ist ein kleiner Ort, schön gelegen am gleichnamigen Fluss.

Nenana Alaska

Nenana - Alaska

Touristen werden in Bussen angekarrt. Einheimische lassen gegen Geld Husky-Welpen für Fotos herumgehen. Derweil ist ein altes Tier im Eck angekettet.

Schlittenhund in Nenana

Nenana - Alaska

Das Ganze hinterlässt bei mir einen zwiespältigen Eindruck und ich halte mich fern. Mit vorschnellen Urteilen muss man sich hier aber sicherlich zurückhalten. Es ist sicher nicht leicht, in Alaska über die Runden zu kommen. Das zeigen auch die vielen Häuser, die teilweise in sehr schlechtem Zustand sind.

Mein Ziel heute ist der Stampede Trail. Der Amerikaner Christopher McCandless war 1992 auf diesem Weg alleine unterwegs aufgebrochen. Er führte ihn schliesslich zu einem alten ausgedienten Bus, der ursprünglich als Unterkunft für Strassenbauarbeiter diente. Dort liess er sich dann eine Zeit lang nieder. Leider konnte er nicht mehr zurückkehren, da der Teklanika River wegen der Schneeschmelze zu stark angeschwollen war. Schliesslich verhungerte er unweit von der Zivilisation entfernt.

Der Journalist Jon Krakauer recherchierte das Leben von McCandless und schrieb schliesslich auch das Buch "Into the Wild". Später wurde es unter dem gleichen Titel mit Emile Hirsch in der Hauptrolle und mit einem tollen Soundtrack von Eddie Vedder verfilmt. Sehr sehenswert.

Obwohl die meisten Pickups noch weiterfahren, halte ich am Wendeplatz bevor die geteerte Strasse in eine Schotterstrasse wechselt. Der Weg führt mich durch eine unglaublich schöne farbenfrohe Tundralandschaft.

Stampede Trail

Stampede Trail

Ich bin aber überhaupt nicht alleine unterwegs. Immer mal wieder kommt ein Pickup vorbei und die Fahrer grüssen freundlich. Es ist Jagdsaison und am Eightmile Lake parken schliesslich alle. Die meisten sind von hier aus mit Quads unterwegs. Ich drehe dort um. Der Weg selber ist überschwemmt und abseits vom Weg ist es extrem sumpfig. Hier helfen keine Wanderstiefel, sondern es wären Gummistiefel nötig. Und die habe ich nicht dabei. Ausserdem habe ich das gesetzte Zeitlimit auch schon fast erreicht.

In Richtung See hängen an einem Balken, den man quer an den Ästen zweier Bäume aufgelegt hat, grosse Fleischstücke. Ich schätze, es ist Elch. Wohl zum trocknen? Demnach scheint es hier aber auch keine gefährlichen fleischfressenden Tiere zu geben.

Stampede Trail - Fleisch zum Trocknen aufgehängt

Stampede Trail

Als ich an meinem Camper ankomme, bin ich laut GPS immerhin 13 km gelaufen. Ganz ok für eine Nachmittagsrunde.

Die Idee für den Abend war eigentlich, auf einem der Campingplätze im Denali Nationalpark zu übernachten. Leider sind die alle besetzt, so dass ich nur eine Bustour buche und wieder nordwärts auf einem Campinglatz in Moody bei Healy direkt an der Hauptverbindung Fairbanks - Anchorage übernachte. Hier wasche ich auch noch meine Wäsche für relativ stolze sechs Dollar (mit Trockner). Die Preise schwanken stark. Waschen mit Trocknen habe ich zwischen drei Dollar vierzig und acht Dollar pro Trommel gesehen. Man braucht überall Quarter-Münzen (25 Cent), die aber auch von den Campingplatz-Besitzern bereitgehalten werden.

Alaska - Camping in Moody

Sonntag, 06.09.2015 - Tag 9

Ich hab schlecht geschlafen. Fast die ganze Nacht sind Autos durchgefahren. Ohrstöpsel wollte ich nicht verwenden, da ich Angst hatte, meine Bustour zu verpassen.

Zum Frühstück mache ich mich unter anderem über einen der gekauften Joghurts her. Die Becher sehen hier seltsam aus. Irgendwie verkehrt. Sie verjüngen sich nach oben, anstatt sich zu erweitern.

Etwas eigenartige amerikanische Joghurtbecher - Camping in Moody

Da ich viel zu früh wach war, bin ich überpünktlich im Denali Nationalpark. Mann ist das voll! Eine richtige Massen-Touri-Geschichte. Eigentlich ist das nichts für mich.

Als wir dann endlich im Bus sitzen, erklärt uns unser Bus-Fahrer Glen, dass die Busse im Park wie Linienbusse funktionieren. Man kann also bei einem Halt aussteigen und zum Beispiel auf den nächsten warten oder eine Haltestelle weiter laufen. Na toll, und jetzt habe ich die essentiellen Wandersachen und auch das Bärenspray nicht mit dabei. Gerne wäre ich im Park auch etwas gewandert.

Denali Nationalpark

Die Tiere halten sich sehr zurück. Nach langer Fahrt sehen wir irgendwann einen Fuchs. Der sieht zwar schon etwas anders aus wie die zu Hause, ist aber ansonsten nicht wirklich aufregend... Beim zweiten Toilettenstop ist er dann endlich da, Bär Nr. 1. Auf die Toilette darf dann keiner mehr, dafür gibt es Bilder aus nächster Nähe. Da aber für kurze Zeit eine regelrechte Aufregung im Bus herrscht, werden meine nicht sonderlich gut.

Denali Nationalpark

Bär im Denali Nationalpark

Insgesamt sehen wir noch einen einzelnen Bären (weiter weg) und eine Bärin mit zwei Jungen (sehr weit weg), Dall-Schafe und ein Karibu.

Denali Nationalpark

Bär im Denali Nationalpark

Denali Nationalpark

Dall-Schafe im Denali Nationalpark

Denali Nationalpark

Karibu im Denali Nationalpark

Immerhin haben wir super Sicht auf den Mount McKinley. Er ist mit 6190 Metern der höchte Berg Nordamerikas.

Mount McKinley

Mount McKinley

Und natürlich führt die ganze Fahrt durch eine herrliche Landschaft.

Denali Nationalpark

Denali Nationalpark

Glen erklärt uns, dass er und seine Kollegen immer mal wieder üben müssen, auf der relativ engen Strasse den Bus zu wenden. Ab und zu ist die Strasse nicht passierbar und die Busse müssen umkehren. Heute ist jedoch alles perfekt. Nur ein kurzes Stück wird gerade von einigen Bauarbeitern geflickt.

Nach der Rückkehr fahre ich noch ein Stück weiter südlich und übernachte in Cantwell etwas abseits der Hauptstrasse.

Über den Hatcher-Pass nach Palmer und das Propan-Gas

Montag, 07.09.2015 - Tag 10

Erst schlafe ich tief und fest. Doch um sechs wache ich auf und wundere mich, warum es heute so extrem kalt im Gesicht ist. Richtig, die Gasflasche ist leer. Also schnell in ein paar Klamotten schlüpfen, raus und auf die zweite Flasche umschalten. Es geht immer noch nichts. Ja man muss die Flasche halt auch auf drehen (und die erste sicherheitshalber zu) ...

Nachdem es wieder warm ist, döse ich noch etwas vor mich hin. Es niesselt, obwohl gestern Abend super schönes Wetter war.

Als ich mich aufmache, ist es noch relativ früh. Ich höre mich erstmal nach Propan um. In der ersten Tankstelle erklärt mir die Dame, die dort gerade arbeitet, dass der Kollege, der das Propan wieder auffüllen darf, erst um 14:00 Uhr kommt. Anscheinend ist die Tankstelle wegen einem Gas-Unfall sogar mal abgebrannt. Sie erklärt es mir übrigens auf Deutsch. Sie kommt ursprünglich aus dem Osten Deutschlands und lebt schon seit über 10 Jahren in Alaska.

Ich fahre erstmal weiter und habe bei der nächsten Tankstelle mehr Glück. Dort macht man sich irgendwie nicht so grosse Sorgen. Die Dame, die mir meine Flasche auffüllt, scheint es noch nicht so oft gemacht zu haben. Immerhin dreht sie alles schön fest zu und es scheint mir alles recht logisch angeschlossen. Am Schluss meint sie noch, es wäre wohl besser, während der Fahrt beide Flaschen zu zudrehen. Auch das klingt für mich logisch, bis mir beim Mittagessen mein blinkender Kühlschrank auffällt. Der läuft nämlich auf Gas, wenn keine externe Stromversorgung angeschlossen ist. Also drehe ich das Gas doch wieder auf. Das allein reicht nicht, man muss den Kühlschrank erst einmal aus und wieder einschalten, damit dieser das Gas zündet.

Auf einem Rastplatz beim Denali Staatspark (nicht Nationalpark) fragen mich zwei Japanerinnen, wo sie denn Fotos von den Denali-Bergen machen könnten. Ich schaue kurz nach oben. Nur ein paar Meter über mir verdecken Wolken und Nebel alles. Was für eine Frage. Um sie nicht zu sehr zu enttäuschen, entschliesse ich mich zu sagen "Sorry weiss ich auch nicht".

Ein paar Meilen weiter hat es endlich aufgeklart. Ich biege nach Talkeetna ab, dort scheint die Zeit stillzustehen, wie im Reiseführer steht. Die Häuser sind auch tatsächlich schön dort, aber zum ersten Mal sehe ich Schilder wie "No Parking", "No RV" (RV = Recreation Vehicle - Wohnmobil) und Schilder mit zum Teil recht hohen Parkgebühren. Mir scheint es eher, man will möglichst viel Geld mit den ollen Touris verdienen und ich mache mich gleich wieder auf den Rückweg zur Hauptstrasse.

In Willow biege ich zum Hatcher-Pass ab. Der beginnt extrem unspektakulär. Langsam nehmen die Kurven jedoch zu. Schliesslich endet der geteerte Teil und die Strasse wird zunehmend schlechter.

Hatcher Pass

Hatcher Pass

Kein wirkliches Problem für meinen Pickup, ich muss nur langsam machen. Den Allrad muss ich nie zuschalten. Eine herrliche Berglandschaft. Zeit sollte man allerdings einplanen.

Auf der Passhöhe treffe ich ein Paar aus dem Stuttgarter Raum. Sie mühen sich ziemlich mit einer Spiegelreflex-Kamera ab und versuchen sich selber zu fotografieren. Ich biete an ein Foto zu machen und bekomme so auch eins von mir.

Hatcher Pass

Hatcher Pass

Paraglider umkreisen die Passhöhe. Auf dem Weg nach unten mache ich noch einige Langzeitbelichtungen an einem herrlichen Fluss, die mir recht gut gelingen.

Hatcher Pass

Hatcher Pass

Da es schon vergleichsweise spät ist und ich nicht sicher bin, ob vor Anchorage noch ein Campingplatz kommt, nehme ich einen in Palmer, wenig schön direkt an der Hauptstrasse.



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Letzte Änderung: 08.04.2016
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