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Reisebericht Kanada / Alaska Tag 01-03


Über viele Stationen erstmal nach Kanada

Samstag, 29.08.2015 - Tag 1

Kanada / Alaska - es geht los

Es geht los...

Los geht es via Postbus nach Frick. Von dort weiter mit dem Zug zum Hauptbahnhof Zürich. Geplant ist die Weiterfahrt mit (deutschem) Postbus nach Frankfurt. Seltsame Leute hier und der Postbus kommt und kommt nicht. Pubertierende Jugendliche. Die Jungs benehmigen sich wie die Gockel, die Mädels wie die Hühner. Später erfahre ich, es ist Streetparade. Darum hat der Bus sich auch verspätet. Der Drogenhund hat bei der Einreise in die Schweiz an der Grenze angeschlagen und dann war erst einmal grosse Kontrolle angesagt. Da war jemand ja wirklich clever. Tja, die Jugend von heute mal wieder...

Verspätet verlassen wir Zürich. Der Fahrer musste seine minimale Ruhepause einhalten, so dass wir keine Zeit aufholen konnten. Ein ausgeruhter Fahrer ist mir aber auch lieber, zumal mein Flieger eh erst morgen geht. Inzwischen ist es sehr heiss geworden, aber die Klima im Bus schafft es immerhin auf gut erträgliche 23 Grad.

Natürlich ist es nicht wirklich clever, erst einmal lange nach Frankfurt zu fahren, dort zu übernachten und dann am nächsten Tag zu fliegen. Als ich buchte, war jedoch dieser tolle Lokführerstreik. Die waren gerade in der Phase, bei der man dachte, die hören nie wieder auf. Und der Anschlussflug von Zürich nach Frankfurt war viel teurer als der Bus zusammen mit dem Hotel.

Schön, dass der Bus endlich in Frankfurt einläuft. Kaum steige ich aus, bettelt mich der erste Typ an. Mit einer Coca-Cola in der Hand. Er bräuchte mal ein paar Münzen für was zu Essen. Ja klar... Ich schick ihn weiter, er trollt sich.

ÖV klappt gut, ich hab mir zuvor die passende App heruntergeladen, so kann ich auch via Handy Tickets kaufen. Bei sowas macht das olle Smartphone richtig Sinn.

Im S-Bahnhof werde ich wieder angebettelt. Die "Dame" ist penetrant und will nicht weiter. Ich werde schliesslich etwas lauter, bin nicht nur von Ihr, sondern auch von der Hitze und dem Gestank in dem unterirdischen S-Bahnhof genervt. Endlich verschwindet sie mit einem "Halts Maul". Hauptsache weg. Habe ich schon gesagt, dass mich Grosstädte nerven?

Etwas ruhiger und viel angenehmer geht es in dem Vorort Kelsterbach zu. Gleich zwei Leute stürzen sich förmlich auf mich und erklären mir den Weg zur Bushaltestelle. Die App hat hier eine unmögliche Verbindung per Bus über A nach C über B ausgespuckt. Nur ist die Strecke A nach B gerade eine Minute lang und indem ich sie laufe spare ich viel Zeit. Durch die Freundlichkeit der Leute hier und die inzwischen schon wieder nachlassenden Temperaturen steigt meine Laune wieder.

Mein Hotel ist ziemlich gut. Ich erfahre, dass es auch einen Shuttle-Service gegeben hätte. Was soll's, nutze ich ihn halt morgen. Den Abend lasse ich im Hotel-Biergarten bei ein paar Weizenbier ausklingen.

Ich bin mir bewusst, dass es die letzte Nacht mindestens für die nächsten drei Wochen ist, bei der ich mit T-Shirt und kurzer Hose draussen sitze.

Zwar höre ich Grillen, aber ansonsten sehe ich nur zwei Sterne und der Fluglärm dringt zu mir herüber. Irgendwo gröhlen ein paar Fussballanhänger. Habe ich schon gesagt, dass ich Grossstädte nicht mag?

Sonntag, 30.08.2015 - Tag 2

Natürlich habe ich nicht lange geschlafen. Es war einfach doch noch zu warm. Oder war ich zu sehr im Reisefieber?

Nach dem Frühstück nehme ich den Hotel-Shuttle. Das Einchecken und die Gepäckaufgabe klappt viel zügiger, wie ich es von Basel gewohnt bin. Blöd nur, dass ich ein Kilo zuviel habe. Das geht nicht. Ich nehme meine beiden Jeans raus und klemme sie mir unter den Arm und kaufe extra noch ein Zeitschrift. Mit Tüte, damit ich was habe, wo ich die Jeans reinstopfen kann. Muss ich auf dem Rückweg ein zweites Gepäckstück aufgeben?

Die Maschine steht im Aussenbereich. Wir müssen den Bus nehmen. Dieser wartet eine gefühlt unerträglich lange Viertelstunde bei geschlossenen Türen. Die Lüftung läuft zwar. Falls der Bus aber überhaupt eine Klimaanlage hat, hat diese aufgrund der unglaublichen Menge der Menschen, die hier eingepfercht sind, bereits ihren Dienst aufgegeben. Nicht nur ich bin genervt.

Als ich endlich im Flugzeug sitze, endet das Ölsardinenfeeling allerdings noch nicht. Genau so eng, wenn nicht noch enger wie im Bus. Naja selbst schuld, wenn man zu geizig ist die 199.- für Economy Plus auszugeben, oder?

Aber der Sitz neben mir bleibt frei, so bekomme ich etwas mehr Platz. Auf dem bordeigenen Entertainment-System lasse ich bei mir einen Film laufen und neben mir die GPS-Anzeige mit der Flugroute. Wir fliegen über Grönland. Gerade der Anflug auf die Küste im Gegenlicht ist herrlich. Man hat das Gefühl statt in fast 10000 m Höhe nur wenige 100 Meter hoch über dem Eis zu sein. Ich ertappe mich dabei nach Tierspuren zu suchen. Tatsächlich sieht man auch so etwas ähnliches. Wahrscheinlich sind es aber Schneeverwehungen oder Flüsse unter dem Eis. Alleine der Überflug entschädigt für den nervigen Anfang im Bus. Einige Kilometer hinter der Küste verschwindet die tolle Landschaft leider unter einen dichten Wolkendecke.

Anflug auf Grönland

Anflug auf Grönland

Whitehorse ist eigentlich ein kleines Nest. Zumindest für eine Stadt mit einem internationalen Flughafen. Der Erik Nielsen Whitehorse International Airport entstand im Zweiten Weltkrieg. Whitehorse ist auch die Hauptstadt des Territoriums Yukon in Kanada. Fast alle Strassen sind streng quadratisch angelegt, von oben sieht es ein bisschen aus wie in Video-Spiel Sim-City. Immerhin findet man sich schnell zurück. Die 1st, die 2nd, die 3rd u.s.w. sind alle brav nacheinander angeordnet, so dass man zumindest die richtige Strasse schnell hat. Die Querstrassen haben dafür dann wieder Namen, wie es bei uns so üblich ist.

Bevor das Wasserkraftwerk gebaut wurde, gab es hier am Yukon Stromschnellen, die wie die Mähnen weisser Pferde aussahen (White Horse Rapids). Daher der Name.

Während des Goldrausch war Whitehorse ein wichtiger Versorgungsort. Von der Hafenstadt Skagway in Alaska ging es mit der Eisenbahn nach über den White Pass nach Whitehorse. Mit dem Flussdampfer gelangten Menschen und Waren dann über den Yukon in die Goldgräberregionen.

Whitehorse

Whitehorse

Whitehorse hat ca. 27.000 Einwohner.

Wir müssen lange am Zoll anstehen, was aber nicht an der Strenge der Kontrollen sondern an der Anzahl der Zöllner liegt. Gerade einmal zwei fertigen die Schlange ab. Einige meiner Mitflieger können kaum Englisch und halten das System ziemlich auf. Gefragt wird, wielange man da ist, was man machen will und ob man Feuerwaffen oder Alkohol mit dabei hat.

Ich zieh mit erstmal ein paar kanadische Dollar und mache mich mit dem Taxi zum Historical House Bed and Breakfast auf. Die Vermieter Bernie und Pam wohnen zusammen mit zwei Hunden im Nachbarhaus. Das Bed and Breakfast ist für kanadische Verhältnisse sehr alt und hat auch den entsprechenden Charme. Wer, wie ich, auf alte Häuser steht, dem sei das Haus wärmstens empfohlen. Wer sich an ein paar lockeren Armaturen und nicht frisch geputzten Fenstern stört, der sollte eher woanders hin.

Historical House Bed and Breakfast

Das sehr gemütliche Historical Guest House B & B

Übrigens, ein Kanadischer Dollar ist zur Zeit 0.67 Euro und ein US Dollar 0.76 Euro.

Bei Pam und Bernie gibt eine Küche für die Selbstversorgung und auch ein Holzofen, den man selber einheizen darf.

Um den Jetlag möglichst schnell zu bekämpfen, spaziere ich nach der Begrüssung der Hunde durch Whitehorse.

Unterwegs in Whitehorse

Unterwegs in Whitehorse

Der Abend endet aber doch damit, dass ich kurz nach acht ins Bett falle und um neun das Licht ausmache.

Montag, 31.08.2015 - Tag 3

Ich wache viel zu früh um vier auf. Ich lese bis fünf, dann schlafe ich tatsächlich nochmal ein. Um halb acht stehe ich auf, dusche und frühstücke in aller Gemütsruhe. Dann mache ich mich mit einem der Fahrräder von Bernie auf den Weg zum Vermieter Fraserway. Auch die bieten einen Pickup-Service an. Morgen um halb neun werde ich abgeholt. Das ist ja klasse! Schnell noch ein paar Sachen einkaufen und dann ab auf den Fahrrad- bzw. Wanderweg den Yukon stromaufwärts. Ich scheine Glück zu haben, es nieselt nur manchmal ganz leicht. Schliesslich komme ich am Flusskraftwerk an. Dort geht es nicht mehr weiter. Der Stausee hinter dem Kraftwerk dient Wasserflugzeugen als "Flugplatz". Es gibt auch eine Lachsleiter, die man besuchen kann. Ein Mitarbeiter erklärt mir was zu den verschiedenen Sorten. Und tatsächlich sind auch drei Einzelgänger unterwegs, obwohl die Saison eigentlich schon herum ist. Von einer Art Warte kann man durch Glasscheiben einzelne Segmente sehen. Da sind zwei kleine und ein grosser. Letzter sieht gar nicht freundlich aus.

Lachs in Lachsleiter

Lachs in der Lachsleiter am Wasserkraftwerk Whitehorse

Ich mache etwas länger rast am Stausee, weil ich ein Flugzeug starten sehen will. Eins kommt auch, doch dann auch eine Regenfront. Also steige ich schnell wieder in die Pedale und fahre regelrecht vor dem Regen her...

Wasserflugzeug in Whitehorse

Startendes Wasserflugzeug in Whitehorse

Trotz Regen im Nacken schaue ich mir in Whitehorse noch das Dampschiff S. S. Klondike an. Während ich drin herumspaziere, regnet es draussen "wie die Sau". Macht nichts, ich vertreibe mir die Zeit mit fotografieren. Schliesslich wechsele ich in das Zelt mit dem Video zur Geschichte des Schiffes.

S. S. Klondike

Sternwheeler S. S. Klondike

Die Fahrt von Whitehorse nach Dawson über den Yukon war eine anstrengende und abenteuerliche Sache. An der Engstelle "Five Finger Rapid" musste je nach Wasserstand mit Drahtseilen und Winden nachgeholfen werden, da die Motorleistung alleine hier gegen den Strom nicht ausreichte.

In Stewart Landing tauschte die Klondike Waren und Personen mit der kleineren S. S. Keno aus, die auf dem Stewart-River zwischen Mayo und Stewart Landing fuhr. Die Keno selber sollte ich wenige Tage später auch im Drockendock in Dawson City sehen. Holzcamps auf dem Weg sorgten für den nötigen Brennstoff für die Fahrt. Dawson war dann der nördlichste Punkt für Mensch und Fracht. Von hier aus wurden die umliegenden Minen versorgt.

Die Klondike wurde so konstruiert, dass sie trotz grossem Ladevolumen nur sehr wenig Tiefgang hatte. Trotzdem endete ihre "Karriere" schon 1936 schon nach sieben Jahren abrupt, als sie von einem unerfahrenen Steuermann auf Grund gesetzt wurde. Sie war die letzte von ungefähr 250 sog. "Sternwheeler", die auf dem Yukon pendelten.

S. S. Klondike

Sternwheeler S. S. Klondike - in strömenden Regen

Noch immer regnet und windet es stark. Die Leinwand wölbt sich mir bei ein paar Böen gefährlich entgegen. Hält aber. Nachdem ich den Film zweimal gesehen habe, beschliesse ich zurück ins Bed & Breakfast zu fahren. Etwas nass komme ich dort an und mache ich erst einmal ein Kaminfeuer. Ach, schön...

S. S. Klondike

Noch gemütlicher mit Kaminfeuer - Historical Guest House B & B in Whitehorse

Ich treffe Eric, einen Ost-Kanadier. Er leidet auch unter dem Jetlag. Erstaunlich, er musste vom Ontario aus sieben Stunden fliegen, ich von Frankfurt aus neun. Auf der Karte kann man das gar nicht nachvollziehen, hier hilft wohl nur ein Globus weiter. Er ist wegen der Arbeit hier. Wenn ich alles richtig verstanden habe, wickelt er den Rückbau von stillgelegten Minen ab.



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Kanada / Alaska Tag 01-03 - schlageter.ch - Über viele Stationen erstmal nach Kanada
Letzte Änderung: 12.03.2016
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