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3 Tage mit Lotus Elise 111 S durch die Schweiz

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Lotus Elise 111 S

Im normalen Leben fahre ich einen Smart Roadster. Bin eigentlich sehr zufrieden. Gut, er ist nicht ganz dicht, aber ich hab ja jetzt eine Garage. Er dürfte etwas mehr Leistung haben, aber man kann damit auskommen. Richtig stört nur die Schaltbox: Die lässt sich eine gefühlte Ewigkeit Zeit zwischen den Schaltvorgängen. Als ich mich ein bisschen weiter mit der Geschichte und der Technik des Smart Roadster auseinandersetzte, stellte ich schnell fest, dass für viele Ideen ein anderes Auto Pate stand: Lotus Elise. Kaum ein Auto kommt puristischer daher. Die erste Serie hatte noch nicht einmal ABS, geschweige denn einen nennenswerten Bremskraftverstärker. Servolenkung? Ist was für Weicheier! Zentralverriegelung? Das wiegt doch zusätzlich - wir wollen ein leichtes Auto!

Schon lange schwafelte ich von dem Auto und bin immer wieder aus dem Häuschen, wenn ich einen sehe. Das Design ist einfach knackiger als das vom Smart Roadster. Die Engländer (und die Italiener) haben es meiner Meinung nach einfach drauf. Und die Elise hat nicht diese lausige Schaltbox. Wenn ich doch nur mal einen fahren könnte...

Zum Geburtstag gab es dann die Überraschung von meinem Schatz: 3 Tage Elise S. Die Ur-Elise: 1.8 Liter Motor von Rover, 107 kW (145 PS) bei 847 kg (schweizer) Leergewicht. Der Motor sitzt da, wo ein Motor hingehört, vor die Hinterachse. Und diese treibt er auch an. Das Radio ist der einzige Luxus.

Tausche bayrisch-britischen Mischling gegen reinrassige Britin

Mit unserem Mini geht es ab zum Vermieter rent-a-dreamcar.ch in Wengi bei Frutigen (Thuner See). Apropos Mini. OK, das Auto ist toll. Aber viele reden vom Go Kart-Feeling. Go Kart-Feeling? Habt Ihr schon mal einen Go Kart mit Frontantrieb gesehen? Ich frage mich immer, wie eine Autoschmiede, die ansonsten nur Hecktriebler baut, dies dem armen Mini antun konnte.

Der Vermieter gibt uns gleich mal eine komplette Einweisung und erklärt auch den Anbau des Verdecks. Auch geübte dürften das nicht unter fünf Minuten hinbekommen. Was er zum Glück auch erklärt ist der korrekte Einstieg. Rechter Fuss rein, Kopf hinterher, Hinterteil hinterher, linker Fuss rein. Ausstieg umgekehrt. Es funktioniert. Ohne grössere Rückenschmerzen. Muss das zu Hause gleich mal beim Smart probieren.

Am ersten Tag geht es erstmal nur noch gemütlich hoch nach Adelboden, wo wir uns ein Zimmer im Hotel Bären nehmen.

Mit der Elise auf dem Grimsel

Am nächsten Morgen geht es erst einmal wieder runter ins Tal und wir holen das vergessene Navi aus dem Mini. Befestigen wird schwer. die Scheibe ist so steil, da hält zwar die Navi-Universalhalterung gerade so eben, als wir aber noch die Kamera dran befestigen, ist endgültig vorbei. Auch die britische Zigarettenbuchse mag meinen Stromadapter nicht. Zum Glück habe ich einen Zusatzakku dabei.

Weiter geht es Interlaken, Meiringen, Innertkirchen Richtung Grimsel. Ein Passschild verheisst nichts gutes. Fast alles Rot.

Wintersperre Pässe Schweiz

Beim Grimsel steht Abendsperre. Keine Schranke da, also fahren wir weiter. Ausser uns fährt wirklich fast niemand hoch. Und inzwischen habe ich das Auto so gut in Griff, dass ich die wenigen schnell hinter mir lassen kann. Nervig sind nur zwei Sachen. Die Kupplung quietscht wie eine Maus, die gerade abgestochen wird und der Innenraum heizt sich durch den Motor stark auf. Im Sommer dürfte man vom Elise-Fahren ähnlich derangiert ankommen, wie vom Motorradfahren. Nur lohnt sich dann das Verdeck abbauen eher.

Wir wollen eigentlich ins Tessin. Also in Gletsch links Richtung Furka. Nach wenigen Metern kommt die Schranke. Ok, drehen wir um und nehmen den Nufenen. Als in Ulichen auch die Schranke unten ist, wird uns klar "Das wäre Ihr Tessin gewesen". Also geht es halt weiter westwärts. Mit dem Auto dürfen wir die Schweiz nicht verlassen, also lassen wir den Simplon auch links liegen und biegen statt dessen in Visp Richtung Saas Fee ab. Ist eine Einbahnstrasse, aber mit der Elise ist schliesslich der (kurvige) Weg das Ziel.

Zunächst nehmen wir die falsche Abzweigung Richtung Zermatt und kehren noch mal um. Hier beobachten wir noch Bauarbeiten mit zwei Hubschrauber aus nächster Nähe. So kommt also der Zement in die Berge!

 

Auf dem Rückweg nehmen wir in Stalden die Abzweigung nach Törbel. Die anfänglich breite und gut ausgebaute Strasse wird schnell sehr eng. Aber was für eine Strasse. Kehre um Kehre windet Sie sich immer höher (aber Achtung, es fahren Postbusse und Ausweichstellen müssen benutzt werden). Hinter Törbel einfach drauf bleiben Richtung Moosalp. Breiter wird es erstmal nicht mehr. Kurz vor der Höhe machte ich mir dann doch ernsthaft Gedanken, ob wir mit unseren Sommerreifen noch allzu weit kommen werden. Aber alles klappt perfekt.

Unten angekommen, verfolgen wir die Rhone weiter Richtung Martigny. Da es recht schnell dunkel wird, sehen wir uns schon bald nach einer Übernachtungsmöglichkeit um. Die (nach Luftlinie) nächsten Hotels sind alle in den Bergen. Also fahren wir weiter nach Martigny, wo wir das recht ruhiges Hotel du Stand (trotz Zentrumsnähe) finden.

Schlacht am Buffet nur knapp überlebt...

Nachdem wir uns trotz einer Horde ausländischer Jugendlicher aus einem schweizer Edel-Internet noch an den knappen Buffet stärken konnten, geht es auf den Col de la Forclaz. Aber nur bis dort, denn weiter nach Frankreich dürfen wir ja nicht. Die Strasse ist nass und als ich in einer Kehre etwas mehr Gas gebe, bricht der Wagen aus, ich kann ihn jedoch relativ schnell kontrollieren. Elektronische Helferlein sind manchmal doch ganz praktisch...

Die Ohren klingeln...

Zurück geht es wieder nach Martigny und ein kleines Stück über die Autobahn nach Bex. Apropos Autobahn. Das macht nicht wirklich Spass. Das Lautstärke-Niveau bei Tempo 120 ist so hoch, dass man sich nicht mehr vernünftig unterhalten kann. Schneller fahren ginge wohl auch noch, aber dann doch lieber mit Ohrenstöpsel. Ich habe ja schon einen Tinitus, aber auch Geli klingeln später noch die Ohren.

Von Bex geht es nach Villars-sur-Ollon und weiter auf den Col del la Croix. Landschaftlich eine herrlich Strecke, es hat jedoch einige Schlaglöcher. Aber kaum Verkehr. Warum gondeln wir immer auf den Zentralalpenpässen rum? Die Ecke ist wirklich eine Reise wert. Nach dem Col de la Croix kommen wir in Les Diablerets raus, wo wir uns stärken.

Es geht weiter Richtung Aigle, wir biegen jedoch auf den Col des Mosses ab. Hier gibt es immer wieder lange Geraden, die ein bequemes Überholen ermöglichen.Voller wird es dann in Château-d'Oex, wo wir weiter Richung Saanen fahren. Die Booking.com App wirft hier Übernachtungspreise von bis zu 400 Franken aus. Daher entscheiden wir uns nach Zweisimmen weiterzufahren, wo wir eine preiswerte Übernachtung im Hotel Sternen finden.

Berner Oberland

Nach einem etwas dürftigem Frühstück machen wir das Auto startklar. Es war kalt und feucht in der Nacht, alle Scheiben sind beschlagen. Elise: Nix Klima, nix beheizbare Heckscheibe und natürlich nix beheizbare Aussenspiegel. Mangels Lappen müssen wir das Auto ganz unökologisch eine Weile laufen lassen. Da war doch noch was? Wir haben 750 Freikilometer. Mehr werden richtig teuer. Die Tour für heute habe ich via Routenplaner berechnet. Wieviel werden es werden? 760 Kilometer. Das können wir uns gerade noch leisten.  Also los: Richtung Spiez (bäh, viel Verkehr, links ab auf den Jaunpass (klasse, wenig Verkehr und herrliches Wetter bei Nebel im Tal und Sonne in den Bergen). Am Lac de la Gruyere entlang Richtung Fribourg. Dann rechts ab Richtung Schwarzsee. Vor dem Schwarzsee biegen wir aber ab Richtung Obergurgl. Wieder ins Tal Richtung Spiez (hier hat das Navi eigentümliche Berechnungen von schnellem Weg) und dann heisst es Abschied nehmen von der kleinen roten Britin. 761 gefahrene Kilometer - das fällt noch in die Toleranz des Vermieters.

Und, wie war es?

Das Konzept eines fast leichten Fahrzeuges mit Heckantrieb und Mittelmotor ergibt einen extremen Kurvenflitzer. Aber im Gegensatz zum Smart Roadster ist keine Alltagstauglichkeit gegeben. Vor kurzem hatte ich die Gelegenheit in einem Porsche Renntaxi ein paar Runden auf dem Hockenheimring mitfahren zu dürfen. Die Wärme dort drin war heftig. Viel besser ging es uns in der Elise aber auch nicht. Der Motor ist direkt hinter den Sitzen und zumindest optisch scheint nur ein bisschen Blech und Alufolie dazwischen. So kamen wir kamen jeden Abend gut durchgebraten an ;-) Klar, man hätte das Verdeck abmachen können. Aber es war Oktober in den Bergen. Das Prozedere mit dem Verdeck ist ausserdem zumindest für Laien sehr aufwendig. Die Teile müssen in den Kofferraum, der eher Täschchenraum heissen sollte. Sie brauchen zwar nicht viel Platz, aber unsere Reisetaschen gingen jeden Morgen gerade mal so rein.

Hier zeigt Jeremy Parson das Prozedere an seiner Elise.

 

Speziell das Fehlen von ABS und vernünftigen Bremsen sind für mich das grösste Manko. Überholvorgänge in einer Kolonne werden dadurch unmöglich. Auch wäre für mich als Laien ein ESP wünschenswert, um gefahrloser um die Kurven jagen zu können. Der Motor (es ist ja die erste Variante), dürfte etwas mehr Punch von unten haben. Man braucht ziemlich Drehzahl, bevor die Post richtig abgeht. Auf der anderen Seite lässt sich die Elise im unteren Drehzahlbereich flüssig und Geschwindigkeitslimit-freundlich über die Strassen führen. Ausserdem scheint mir die Elise nur etwas für Leute unter 1,85 Meter und maximal Schuhgrösse 42 (ich habe mittlerweile 47). Am Anfang hatte ich extreme Probleme, Gas und Bremse nicht gleichzeitig zu erwischen. Für 1. und 2. Gang musste ich immer irgendwie das Knie unter das Lenkrad falten....

Aber das Ding macht einfach gnadenlos Spass. Und dass beim Verbrauch eines leistungsstarken Motorrades. Rückenschmerzen gab es fast keine, obwohl ich damit gerechnet hatte. Der Tipp vom Verleiher hat hier viel gebracht. Kurvenlage und mögliche Geschwindigkeiten sind der Hammer. Der Mini kam mir auf den ersten Metern wie ein unhandlicher Laster vor. Wenn ich nur genügend Budget hätte für ein zusätzliches Auto und eine Garage? Und die neuen sollen ja sogar ABS und eine Klima haben? Werde dieses Wochenende mal wieder einen Lottoschein ausfüllen ;-)



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Lotus Elise 111 S - 3 Tage - schlageter.ch - Tolle Tour de Suisse mit der Ur-Elise
Letzte Änderung: 27.04.2014
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